Donnerstag, Januar 26, 2006

Gänsehaut bei der Messe in Kamerun


Unterliederbach. «So ein bisschen Gänsehautgefühl», habe er schon gehabt beim Gottesdienst im kamerunischen Djottin, sagt Rudolf Fleckenstein. Mehr als drei Stunden habe die Zeremonie gedauert, wegen der zahlreichen neuen Eindrücke sei es aber «keine Minute langweilig» gewesen, erzählt der Caritas-Mitarbeiter. Zusammen mit Brigitte Henrich und Ulf Erdmann hat Fleckenstein die afrikanische Pfarrei St. Joseph, Partnergemeinde von St. Johannes Apostel, besucht. Anlass der Reise war der fünfte Geburtstag der Gemeindepartnerschaft, die eingebettet ist in die seit mehr als 20 Jahren bestehende istumspartnerschaft zwischen Kumbo und Limburg.


Am Dienstagabend berichteten die drei Reisenden von ihrem zweiwöchigen Aufenthalt in Kamerun im Oktober vergangenen Jahres. Mitglieder der Eine-Welt-Gruppe, aber auch andere Interessierte waren ins alte Pfarrhaus an der Königsteiner Straße gekommen, um Lichtbilder und Fotos anzuschauen, Fragen zu stellen und ein Tässchen afrikanischen Tee zu trinken. Akustischer Höhepunkt war ein Mitschnitt des Festgottesdienstes, der anlässlich der fünfjährigen Gemeindepartnerschaft in Djottin gefeiert wurde: Zum für europäische Ohren exotischen Gesang der kamerunischen Gemeinde erklangen dumpfe Trommelrhythmen.

Bild:Besuch in Mfumte: Father Eugen Nkardzedze

Der Gottesdienst dauerte auch deshalb so lang, weil die Gemeinde bestimmte liturgische Elemente besonders betonte: Vor dem Evangelium trugen Gemeindemitglieder die Bibel in einer gut zwanzigminütigen Prozession zum Lesepult. «Außerdem wurden die Opfergaben tanzend zum Altar gebracht», sagt Brigitte Henrich, die in der allgemeinen Lebensberatung von St. Johannes mitarbeitet.


Zum Empfang nach der Messe versammelte sich eine große Menschenmenge aus Djottin und Umgebung vor der Kirche. Eines der Geschenke, die der deutschen Delega tion überreicht wurden, war ein kunstvoll bemaltes Tuch, auf dem die Worte «One Father, one Love, one World» ? ein Vater, eine Liebe, eine Welt ? zu lesen sind.

Wie es zu der Gemeindepartnerschaft zwischen St. Johannes und St. Joseph kam, erläutert Stefan Hecktor von der Eine-Welt-Gruppe: Die Gemeinde habe seit Jahren fair gehandelte Produkte aus der so genannten Dritten Welt verkauft und einen Überschuss erwirtschaftet. «Wohin mit dem Geld?», lautete die Frage, die sich die Verantwortlichen stellten. In dieser Situation ergab es sich, dass Ulf Erdmann über das Referat Weltkirche des Bistums Limburg von der Möglichkeit einer Gemeindepartnerschaft erfuhr. Weil sich viele in der Gemeinde wünschten, den Eine-Welt-Gedanken weiter zu vertiefen, kam tatsächlich eine Partnerschaft zu Stande.

Eine sehr lebendige noch dazu: Drei Delegationen aus Unterliederbach waren inzwischen in Kamerun zu Gast, aber auch Geistliche aus Djottin sind schon in St. Johannes zu Besuch gewesen. Ephriam Bam und Makelia Ngi haben von 2002 bis 2003 ein Jahrespraktikum im Bistum Limburg gemacht, zudem unterstützt St. Johannes mit Spenden den Bau einer Wasserleitung in der Nähe der Gemeinde St. Joseph.

Zu Beginn des Treffens der Eine-Welt-Gruppe beteten die Versammelten übrigens für Bischof Cornelius Esua aus Kamerun, der vor vier Jahren in St. Johannes Apostel zu Gast war und diese Woche sein Amt als Erzbischof antrat. «Wir sind mit unserer Partnergemeinde im Gebet verbunden», sagte Stefan Hecktor von der Eine-Welt-Gruppe. «Ich bin ganz, ganz sicher, dass das Gebet ankommt.» (chc)

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